Die Landschaft

Ob kulturhistorisches Erbe in der Fehnlandschaft, stille Naturidylle im Jammertal oder ökologische Vielfalt in der Esterweger Dose – die Region zwischen Rhauderfehn, Ostrhauderfehn und Esterwegen ist ein eindrucksvolles Beispiel für das Zusammenwirken von Mensch, Geschichte und Natur. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Naturfreunde und Erholungssuchende, sondern auch für alle, die mehr über eine der ungewöhnlichsten Kulturlandschaften Norddeutschlands erfahren möchten.

Zwischen Kanälen, Mooren und Geschichte:
Die einzigartige Fehnlandschaft im Nordwesten

Kulturlandschaft mit Geschichte: Die Fehnlandschaft rund um Rhauderfehn und Ostrhauderfehn

Die ostfriesische Fehnlandschaft rund um Rhauderfehn und Ostrhauderfehn gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der Moorkolonisation in Nordwestdeutschland. Der Begriff „Fehn“ stammt vom niederländischen Wort vehn, was so viel wie Moor oder Sumpf bedeutet. Ab dem 17. Jahrhundert begannen Siedler, diese unwirtlichen Gebiete zu kultivieren – vor allem durch den systematischen Torfabbau und die gezielte Entwässerung der Moore über ein ausgeklügeltes Kanalsystem.

Noch heute prägen diese geradlinigen Kanäle, die sogenannten „Wieken“, das Ortsbild. Entlang der Haupt- und Nebenkanäle entstanden beidseitig Straßen mit regelmäßig angeordneten Gehöften – wie an einer Perlenschnur aufgereiht. Diese typische Fehnsiedlungsstruktur ist in dieser Form einzigartig in Deutschland. Sie stellt ein kulturhistorisch bedeutsames Erbe dar und wird von den Kommunen mit großem Aufwand gepflegt und geschützt.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich dieses historische Landschaftsbild in Rhauderfehn, das 1769 offiziell gegründet wurde und sich seitdem zu einem der bekanntesten Fehnorte entwickelt hat. Auch heute noch ist das Wasser allgegenwärtig – als Verkehrsweg, Entwässerungsnetz und landschaftsprägendes Element. Viele Kanäle sind bis heute erhalten und teilweise befahrbar, etwa mit kleinen Booten oder Kajaks.

Jammertal – Zwischen Moor und Geschichte

Südlich der Gemeinden Rhauderfehn und Ostrhauderfehn erstreckt sich das stille, fast mystische Jammertal – ein Talname, der neugierig macht und auf eine eher symbolische Bedeutung verweist. Es handelt sich nicht um ein Tal im geografischen Sinn, sondern um eine alte Flurbezeichnung, die vermutlich auf die schwierigen Lebensbedingungen der ersten Siedler verweist.

Das Jammertal bietet einen authentischen Einblick in die nordwestdeutsche Moorlandschaft. Hier sind die Spuren der historischen Moorkultivierung ebenso sichtbar wie die regenerativen Kräfte der Natur. Spaziergänger und Naturfreunde finden in dieser stillen Weite Ruhe, aber auch interessante Einblicke in die Vergangenheit der Region.

Unmittelbar östlich schließt sich das beeindruckende Hochmoor- und Naturschutzgebiet Esterweger Dose an. Bei klarer Sicht ragen am Horizont die acht rot-weiß gestrichenen Sendemasten der Marinefunkstelle Ramsloh in den Himmel – mit 353 Metern die höchsten militärisch genutzten Bauwerke in Westeuropa und aus über 30 Kilometern Entfernung sichtbar. Die Marinefunkstelle dient unter anderem der Kommunikation mit getauchten U-Booten der Bundeswehr im Langwellenbereich.

Esterweger Dose – Ein Hochmoor von europäischer Bedeutung

Mit etwa 5.000 Hektar Fläche ist die Esterweger Dose eines der größten zusammenhängenden Hochmoore in Mitteleuropa und eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete Niedersachsens. Es liegt im Nordwesten des Landkreises Emsland und grenzt an den Landkreis Leer. Die Bezeichnung „Dose“ stammt von einem alten Wort für Senke oder Niederung.

Das Gebiet ist heute ein ausgewiesenes EU-Vogelschutzgebiet (Natura 2000) und Rückzugsraum für zahlreiche bedrohte Arten. Besonders hervorzuheben ist das seltene Brutvorkommen des Südlichen Goldregenpfeifers (Pluvialis apricaria), einer vom Aussterben bedrohten Vogelart, deren Bestand in Deutschland auf wenige Brutpaare geschrumpft ist. Neben diesem ornithologischen Schatz bietet das Hochmoor Lebensraum für spezialisierte Pflanzen wie Sonnentau, Torfmoose und Wollgras sowie Insekten wie die Hochmoor-Mosaikjungfer.

Seit den 1990er-Jahren wird das Gebiet schrittweise renaturiert – durch das Wiedervernässen ehemaliger Abbauflächen und extensive Pflege. Ziel ist es, die seltene Moorlandschaft langfristig zu erhalten und ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher und Klimaschützer wiederherzustellen. Intakte Moore binden nämlich große Mengen CO₂ – ein bedeutender Beitrag zum Klimaschutz.