Moin, ich bin Mooritz!

Genau genommen bin ich ein Kiebitz, aber für die nächsten 100 Kilometer bin ich Ihr ganz persönlicher Reiseleiter.

Verfehlen können Sie mich gar nicht: Mein Gesicht zeigt Ihnen auf den Schildern entlang des Weges immer, wo es langgeht – und zwar in beide Richtungen.

Was Sie erwartet? Die unendlichen Weiten der „Esterweger Dose“, saftige Moorwiesen, idyllische Seen, echte Mitmach-Pfade, historische Windmühlen und natürlich jede Menge gemütliche Ecken zum Einkehren. Klingt spannend? Dann kommen Sie mal mit!

„Mooritz“
Zeichnung von Christel Krone, Barßel

Natur pur im größten Hochmoor Deutschlands

Unser Weg führt uns einmal komplett um das rund 5.000 Hektar große Naturwunder der „Esterweger Dose“. Hier, im Herzen des europaweiten Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“, können Sie die unendliche Weite noch richtig spüren.

Wenn Sie unterwegs eine kleine Pause einlegen und ganz leise sind, hören Sie vielleicht sogar seltene Vögel wie den Goldregenpfeifer oder die Bekassine rufen.

Auf den wiedervernässten Flächen breiten sich faszinierende Pflanzen wie der fleischfressende Sonnentau aus – ein echtes Paradies für Entdecker und Naturliebhaber.

Abwechslung im Sattel und auf dem Wasser

Aber keine Sorge, auf den 100 Kilometern wird es garantiert nicht langweilig! Wir radeln durch fünf gemütliche Gemeinden, in denen es an jeder Ecke etwas zu erleben gibt: Schauen Sie sich historische Galerieholländer an, schnuppern Sie im Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn echte Kulturgeschichte oder testen Sie das Prinzip „Paddel und Pedal“ bei einer spontanen Kanutour.

Und falls Sie nach dem Radeln noch eine Abkühlung brauchen, tauschen Sie am Idasee einfach das Fahrrad gegen Wasserski oder das Wakeboard, bevor wir den Tag entspannt in der lokalen Gastronomie ausklingen lassen.

Einmal rundherum: Die Route im Detail

Hinter den nackten Zahlen von 100 Kilometern Asphalt und Schotter verbirgt sich eine Strecke, die Landschaft und Kultur perfekt miteinander verknüpft. Wenn wir die Runde im Süden am Sperrtor des Küstenkanals beginnen, führt der Weg zunächst an der B 401 entlang Richtung Esterwegen. Hier zieht die Kulisse sofort in den Bann: Die riesigen Torfabbaumaschinen am Wegesrand sind Zeugen einer ganz eigenen Industrie. Kurz darauf öffnet sich am Feldherrenhügel der Blick weit über das Land, bevor die Route über den geschichtsträchtigen MoorInfoPfad verläuft. Über das beschauliche Bockhorst geht es schließlich weiter in das landschaftlich beeindruckende Jammertal.

Nächste Station ist Rhauderfehn. Der Ort empfängt Sie mit seiner typischen Fehn-Architektur: Die historische Hahnentanger Mühle, das Fehn- und Schifffahrtsmuseum sowie das alte Liegebecken für die traditionellen Plattbodenschiffe zeigen, wie eng die Menschen hier seit jeher mit dem Wasser verbunden sind. Dem Lauf der Kanäle folgend, führt die Strecke weiter nach Ostrhauderfehn mit seinem Hafen, der Schleuse und dem Idasee.

Ein Stück weiter nördlich wird es historisch. Die Johanniter-Kapelle in Bokelesch, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, lädt zu einem kurzen Innehalten ein. Danach geht es weiter zum Bootshafen in Barßel – ein wunderbarer Ort, um bei regionalen Köstlichkeiten direkt am Wasser ein wenig zu verweilen.

Kulturgeschichte und lebendige Traditionen

Der Rückweg hält noch einmal tiefe Einblicke in die Identität der Region bereit. Vorbei an der Ebkensschen Windmühle und dem Bienenlehrpfad erreichen Sie das Moor- und Fehnmuseum in Elisabethfehn. Wer verstehen will, wie mühsam das Leben und Überleben in dieser kargen Landschaft früher war, ist hier genau richtig. Der angrenzende Elisabethfehnkanal ist übrigens der letzte voll schiffbare Fehnkanal Deutschlands und versprüht mit seinen handbetriebenen Schleusen pure Nostalgie.

Über Strücklingen führt der Weg tiefer hinein in das Saterland. In Ramsloh, dem geografischen Zentrum dieser ganz besonderen Region, und im benachbarten Scharrel begegnet Ihnen eine echte Besonderheit: Neben der wunderschön gepflegten Windmühle ist es vor allem die Sprache, die hier auffällt. Achten Sie einmal auf die Gespräche der Einheimischen – im Alltag wird hier stolz Saterfriesisch gesprochen. Nach dieser kulturellen Entdeckungsreise schließt sich am Küstenkanal der Kreis einer wirklich außergewöhnlichen Rundtour.

Die Landschaften im Fokus: Technik trifft Naturschutz

Die Naturräume links und rechts des Weges erzählen ihre ganz eigenen Geschichten. Ein faszinierendes Zusammenspiel aus Technik und Ökologie zeigt sich im Zentrum der Esterweger Dose: Über eine Fläche von 560 Hektar erstrecken sich dort die acht unübersehbaren Längstwellensender der Marine. Sie gehören zu den höchsten technischen Bauwerken in ganz Europa. Das gesamte Areal um diese Masten herum wurde im Zuge des Naturschutzes großflächig unter Wasser gesetzt. Mittlerweile hat es sich zu einem unberührten, extrem wertvollen Feuchtbiotop entwickelt, das der Natur völlig autark zurückgegeben wurde.

Südlich des Küstenkanals verändert sich das Gesicht der Route noch einmal. Hier erstreckt sich über 1.280 Hektar das Naturschutzgebiet Melmmoor/Kuhdammoor. Weiträumiges, saftiges Grünland auf altem Hochmoorboden prägt diese weite Kulisse – es ist der klassische Lebensraum, in dem sich die typischen Moorrandvögel und auch die Kiebitze besonders wohlfühlen.

Im südwestlichen Abschnitt wartet schließlich das Leegmoor. Dieses Areal ist ein echter Meilenstein für die Region: Es war der allererste geschlossene Moorkomplex in ganz Niedersachsen, der komplett renaturiert und in die Wiedervernässung überführt wurde. Ein absolutes Vorzeigeprojekt, das eindrucksvoll zeigt, wie sich eine Landschaft im Laufe der Jahrzehnte wieder in ihren Urzustand zurückverwandeln kann.